Stairway from heaven

– Anzonico – Biasca –

Gestern abend gab es, wie innigst erhofft, ein besonderes, weil zur zeit so seltenes Schauspiel, nämlich REGEN. Wir hatten ja lange zugesehen, wie sich das Gewitter und die Wolken längs der Bergkette bewegten und vermutlich schon an der anderen Seite abregneten. So hatten wir die Hoffnung wieder aufgegeben und waren ins Zimmer gegangen. Doch fast wie auf Kommando gings los. Das Gewitter kam und mit ihm der Starkregen. Schnell waren wir wieder vor der Tür und bewunderten das Schauspiel, wie die ersten Tropfen auf dem Asphalt noch ganz schnell verdunsteten, aber bald die Straße zu einem kleinen Sturzbach wurde. Kaum zu glauben, echter Sommer-Gewitterregen! Begeisterung! Fast eine Stunde standen wir und feuerten das Wetter an. Und tatsächlich regnete es mehrere Stunden in dieser Nacht. Und gerade so viel, dass es keine Überschwemmung gab und alles vom trockenen Boden gierig aufgesaugt werden konnte.

IMG_20180806_081800350Heute morgen ist alles schon wieder Geschichte, der Asphalt wieder trocken. Doch die Wiesen glänzen noch, die Grashalme tragen noch dicke Tropfen.

Beim guten Frühstück, es gibt reichlich Käse und sogar Wurst vom Buffet sowie Müsli, lernen wir heute einen schwyzerdeutschen Mitwanderer kennen, der auch schon in der letzten Herberge war. Er macht die Strada Alta von Airolo bis Biasca, auf der wir ja gerade auch unterwegs sind. Er hatte erst im Frühjahr eine Herzoperation, und will es jetzt wieder wissen. Ganz schöne Herausforderung für sich selbst, scheint ein wenig der Managertyp zu sein. Aber jeder hat halt seine eigene Herangehensweise und findet hoffentlich irgendwann sein eigenes Tempo. Mein Tempo scheint nach wie vor genau das richtige zu sein.

IMG_20180806_100213254Um 9 Uhr geht es los. Der Regen hat den Himmel rein gewaschen und die Sicht ist erst mal hervorragend. Bald sind wir an Cavagnago vorbei.
Der Weg wird schnell sehr schlecht, alles wie gehabt, jedoch noch ein wenig gesteigert. Sehr steil auf und vor allem ab, sehr felsig, und es wird auch ein wenig gefährlicher. Denn der Matro, der Berg, an dessen Flanken wir zu Tal marschieren, fällt ziemlich steil ab. Dadurch hat man immer eine tolle Sicht ins Tal. Aber oft geht es wirklich gleich neben dem Weg einige hundert Meter abwärts, so daß mir schon etwas murmelig wird. Und das mehrere Stunden lang, immer wieder an der Kante, dann wieder etwas innerhalb und wieder ganz vorne.

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Es ist beileibe nicht so, dass es sehr gefährlich ist, es ist kein Terrain für Bergsteiger. Aber trotzdem erfordert es meine volle Konzentration, sonst kann es auch richtig schief, bzw tief gehn, und zwar sehr schnell. Dazu kommt noch, dass der Weg in den letzten jahren nicht mehr besonders gut gepflegt wurde. Jedenfalss für uns Flachländler schon ein richtiges Abenteuer. Eines, das man bei Regen nicht wagen sollte, denn dann werden die Wege schnell zur Rutschbahn. Highway to hell.

Zum Schluß gibt es noch einmal ein besonderes Bonbon. Der Abstieg nach Pollegio, immerhin noch fast 400 m, geht über Naturtreppen, teilweise in den absolut steilen Fels gehauen, teilweise mit Naturseinen aufgeschichtet. Es sieht atemberaubend aus und es geht sich auch so.

Schließlich sind wir im Tal angekommen und machen erst mal Pause. Mein Knie hat schon bisweilen ziemlich gemeckert und freut sich. Ich schaue noch mal nach oben und bin noch einmal faszieniert. Von der Natur und auch von der Leistung der Vorfahren, die diesen Weg und diese Treppe gebaut haben. Hut ab! Und auch Hut ab vor unserer Leistung, Rainer und ich klatschen uns gegenseitig ab. Haben wir wieder gut hingekriegt.

Die letzten vier Kilometer gehen wir durch das Tal, und am Fluß Ticio entlang, dann noch durch Biasca. Das Hotel Al Giardinetto liegt direkt auf der Tour. Duschen, ein wenig einkaufen, Biasca gibt sich mir auf den ersten Eindruck nicht besonders reizvoll.

So essen wir dann im Hotel auf der Terrrasse, leckeres Risotto mit Bratwurst und Käse aus der Region. Dann gönnen wir uns zur Feier des Tages den Griesklöschen-Krimi im TV, denn wenn man schon mal deutsches Bildungsfernsehen zur Verfügung hat…

Ein richtig toller Tag geht zu Ende und viel Anspannung, Glück, Erregung und Erfüllung hallt in mir nach.

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