Kalte Fanta und warme Worte

Fuceccio – Gambassi Terme –

Heute gehe ich schon um kurz nach sechs los. Gerade fängt es an zu dämmern, kaum kann ich den Weg erkennen. Es ist eine besondere Stimmung am Wasser entlang auf dem Damm. Nebel liegt über meinem Weg, schwach beleuchtet von dem ersten Licht der langsam aufgehenden Sonne.

Immer schneller kann ich jetzt gehen und ich tue es mit Freude. Die leichten Schmerzen in der Achillessehne sind bald wieder verschwunden. Obwohl es noch kühl ist, schwitze ich bald wie ein Schwein. Vom Rücken läuft der Schweiß nach unten, so dass bald meine Hose hinten auch ganz nass ist. Mir ist das immer ein wenig peinlich, aber wer sieht es, wen interessiert es?

Es wird immer hügeliger heute. Nach Fuceccio geht es hinauf nach San Miniato. Sicher ist hier voel zu erkunden, doch ich habe heute noch einen langen Weg vor mir. also laufe ich halt nur durch.

Nun bin ich so richtig in der Toscana angekommen, hügelig und schön anzusehen und natürlich ein wenig anstrengender, flach ist etwas anderes. Die Landschaft ist sehr braun und grau, weil alles abgeerntet und umgegraben oder verdorrt ist, hat aber seinen eigenen Reiz.

Trotz allem geht es fliegenden Schrittes weiter, und schon bald bin ich fünf Kilometer vor meinem Ziel.

Da gabel ich (oder sie mich) ein älteres Ehepaar aus Kanada auf. Sie ist total erschöpft un er trägt ihren Rucksackmit, ist also auch ziemlich groggy. Also übernehme ich einen Teil ihrer Sachen und trage sie den Rest der Strecke mit. „Ein jeder trage des anderen Last.“ heißt es in der Bibel irgendwo. Bin ich jetzt ein richtiger Pilger. Daß sie viel zu viele und schwere Sachen dabei hat, und daß sie im Gegensatz zu ihm nicht fit genug ist,. und warum sie dann überhaupt diese Reise mitmacht, das alles muss mich nicht interessieren. Denn immerhin bekomme ich viele warme Worte und eine kalte Fanta als Belohnung.

Bevor die Temperatur auf über 30° steigen kann, sind wir auch schon angekommen. 41 km reichen mir für heute auch.

Die Pilgerherberge in Gambassi Terme ist neu und direkt an eine alte Kirche angebaut. Geborgen wie in einer Burg fühle ich mich hier, mir viel gemütlicher. Dazu trägt auch bei, daß es ein sehr leckeres Pilgermenü gibt und nette Gespräche mit den Mitbewohnern.

Morgen verwandel ich mich dann wieder vom Pilger zum Touristen und Müßiggänger in San Gimignano.

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