Wandern – Fernwandern – Pilgern

Bisweilen stellen mir Leute, mit denen ich auf dem Weg ins Gespräch komme, auch die Frage, ob ich denn ein Pilger wäre. Eigentlich eine interessante Frage, denn eine ganz eindeutige Definition des Wortes gibt es auch bei Wikipedia nicht. Meist wird „Pilger“ jedoch im religiösen Sinne verstanden, als jemand, der eine Wallfahrt durch die Fremde zu einem bestimmten Ort macht. Da ich Religion an sich als etwas Problematisches , weil die Menschen eher Trennendes als Verbindendes sehe, bin ich kein Pilger im klassischen Sinne.

Aber das Verbindende sehe ich darin, dass ich auch irgendwie auf der Suche bin, etwas Neues, Besonderes, etwas Sinnvolles finden will . Ganzheit in der Natur, Erlösung, Erleuchtung, Sinn im Leben, irgendwie schwingt das schon auch mit. Und das Göttliche erfahre ich jeden Tag in der Schönheit der Natur, dem Entstehen und Vergehen, ganz unmittelbar dabei zu sein.

Zu Beginn meiner Reise ist das Getreide gerade mal als Keim aus dem Boden gesprießt, jetzt wird es bereits geerntet. Wird weiterverarbeitet zu Mehl und Brot, Malz und Bier, Haferflocken und Müsli. So banal und doch wunderbar.

Die Kirschbäume hatten geblüht vor zwei Monaten und jetzt kann ich die süßen Früchte am Wegrand naschen. Das alles macht den erstaunlichen Kreislauf der Natur irgendwie erfahrbarer und für mich auch das Göttliche.

Ich bin gespannt, wie meine Ernte am Ende meiner Reise aussehen wird. Aber vor allem immer wieder der einzelne Augenblick.